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Was ist Praxislernen?

 „Ein Gramm Erfahrung ist besser als eine Tonne Theorie.“

(John Dewey, Philosoph & Pädagoge)

 

Praxislernen ist eine fächerverbindende handlungsorientierte Unterrichtsform. Der Erwerb schulischer Allgemeinbildung wird hier besonders eng mit der Förderung der Berufswahlkompetenz verbunden. Das Konzept wurde Anfang der 2000er Jahre in Brandenburg eingeführt und erprobt. Seit dem Jahr 2016 ist es wichtiger Bestandteil der Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung (LS BStO) für die Sekundarstufe I.

Ziel dieser Landesstrategie ist es, durch praxisorientierte und individuelle Angebote Schülerinnen und Schüler frühzeitig zur Auseinandersetzung mit ihren Interessen und Kompetenzen sowie mit der Berufs- und Arbeitswelt anzuregen.

Mit dem Praxislernen schuf die brandenburgische Schulpolitik ein besonderes Kooperationsmodell zwischen Schule und Wirtschaft. Es ermöglicht jungen Menschen, vielfältige Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und diese in schulische Lerninhalte einzubringen. Denn innerhalb des Praxislernens findet ein Teil des regulären Unterrichtes in Werkstätten oder Betrieben statt. Über individuelle Lernaufgaben aus verschiedenen Fächern werden Unterrichtsinhalte mit den Erfahrungen aus der Praxis verzahnt. Für die Durchführung werden gemäß dem fachübergreifenden bzw. fächerverbindenden Ansatz Stunden und Unterrichtsinhalte mehrerer Fächer zusammengefasst.

 

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Praxislernen versteht sich nicht nur als ein regelmäßiges Praktikumsangebot. Die Erfahrungen an den außerschulischen Lernorten werden zum Anlass genommen, Fragen aufzuwerfen, Lernmotivation zu schaffen sowie Neigungen und Defizite der Schülerinnen und Schüler aufzudecken. Angeregt durch die Tätigkeit in der Praxis erhalten die Jugendlichen in der Schule die Gelegenheit, ihren Bildungsinteressen zu folgen und ihren Lernprozess zu reflektieren. Unter Berücksichtigung der persönlichen Interessen und des Entwicklungsstandes schafft der Praxislernansatz die Möglichkeit, im wirklichen Leben (entdeckend) zu lernen und hierbei personale und soziale Kompetenzen sowie Kenntnisse über die Anforderungen der Erwachsenenwelt zu erwerben.

Durch die Ausweitung von Praxiseinsätzen in Betrieben und die Verknüpfung der betrieblichen Erfahrungen mit Unterrichtsinhalten entstehen so neue Verzahnungsformen zwischen Schule und Wirtschaft.

Die zentralen Anforderungen und rechtlichen Grundlagen sind in den Verwaltungsvorschriften zur BStO (VV BStO) vom 8. November 2016 aufgeführt.

 

Qualitätskriterien nach der VV BStO

Praxislernen…

  • richtet sich an alle Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7 bis 10 an Ober-, Gesamt- und Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen.
  • zeichnet sich durch eine curriculare Verzahnung mehrerer Schulfächer mit der Praxis aus.
  • enthält Praxiseinsätze in verschiedenen Berufsfeldern, insbesondere in Betrieben und überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten.
  • kann regelmäßig an einzelnen Tagen über das Schuljahr verteilt oder in Form von Blockwochen organisiert werden.
  • arbeitet mit den Ergebnissen von Kompetenzfeststellungsverfahren.
  • bezieht die verpflichtende Arbeit mit dem Berufswahlpass (BWP) ein.

(Qualitätskriterien entspr. VV BStO und „Qualitätskriterien des Praxislernverbundes 2006“)


Beim Praxislernen erwerben die Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen und Orientierungen für ihr Schülerbetriebspraktikum.  Das Betriebspraktikum selbst wird aufgrund einer anderen pädagogischen Ausrichtung jedoch nicht unter dem Begriff Praxislernen erfasst.

Praxislernen fügt sich in eine systematische, individuelle und praxisorientierte Berufs- und Studienorientierung ein

  • durch die sinnvolle Verzahnung mit der Potenzialanalyse, dem Berufswahlpass, dem Schülerbetriebspraktikum und weiteren Aktivitäten.
  • im Rahmen der fachbezogenen Festlegungen schulinterner Curricula durch den fächer-verbindenden und fachübergreifenden Ansatz.

 

Auch das Produktive Lernen ist ein praxisorientiertes Unterrichtskonzept, das in den 2000er Jahren an ausgewählten Schulen des Landes Brandenburg eingeführt wurde. Mit dem Praxislernen hat es viele Gemeinsamkeiten. Ein wichtiger Unterschied ist, dass beim Praxislernen stärker die Umsetzung einer spezifischen Unterrichtsform im Fokus steht. Daher bezieht es konzeptionell alle Schüler und Schülerinnen ein. Das produktive Lernen richtet sich vorrangig an SuS, die in ihrem Schulweg vom Scheitern bedroht sind. Pädagogische und motivationale Aspekte spielen hier eine größere Rolle, wenngleich auch das Praxislernen u.a. eine Stärkung der Lernmotivation zum Ziel hat.

 

Positive Erfahrungen mit Praxislernen


Langjährige Erfahrungen mit dem Praxislernen verzeichnen sehr positive Ergebnisse für die Jugendlichen, die Kooperationspartner, die Lehrkräfte und für Eltern. Das betrifft die Ausbildungsreife ebenso wie die fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Nicht selten eröffneten sich durch das Praxislernen bereits frühzeitig konkrete Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Ein gutes Beispiel, wie Praxislernen erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt sich an der Europaschule in Guben. Dort gehen Neunt- und Zehntklässler einen Tag pro Woche in die Unternehmen vor Ort und lernen den Berufsalltag kennen. Mehr dazu unter: Praxislernen an der Europaschule Guben

Trotz so mancher Herausforderung, die sich bei Umsetzung und Weiterentwicklung des Praxislernens stellt, haben fast alle ehemaligen Modellschulen das Praxislernen weitergeführt und in ihr Schulprogramm integriert.

 

Positive Aspekte des Praxislernens

  • Jugendliche kennen ihre Interessen und Fähigkeiten besser.
  • Durch das Bewusstwerden der Bedeutung von Fachwissen im Umgang mit Aufgaben im Berufsalltag erhöhen sich Lern- und Abschlussmotivation.
  • Die Bearbeitung und Präsentation von Praxislernaufgaben stärken Schülerinnen und Schüler bei der individuellen Lernplanung und Bewältigung komplexer Aufgabenstellung.
  • Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und werden gestärkt.
  • Die individuelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Praxislernorten fördert die Berufswahlkompetenz.
  • Es entstehen neue Chancen auf einen Praktikums- und Ausbildungsplatz.

 

 

Jugendliche

„Endlich verstehe ich, wozu ich all die Sachen in der Schule gelernt habe, es macht Sinn, als Maler und Lackierer Flächenberechnung zu können.“ (16-jährige Schülerin einer Praxislernklasse)

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Schulen

„Durch die Einführung des Praxislernens bin ich vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter geworden, und ich gehe zur Arbeit mit dem Gefühl, etwas bewirken zu können.“ (Oberschullehrer, 25 Jahre im Schuldienst)

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Unternehmen

„Seit fünf Jahren bieten wir Praktikumsplätze für Schüler aus Praxislernklassen an. Eine gute Möglichkeit, unsere Ausbildungsplätze mit Jugendlichen zu besetzen, die unseren Betrieb kennen und ins Team passen.“ (Geschäftsführer eines Dentallabors)

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Die Koordinierungsstelle Praxislernen läuft im Rahmen der "Initiative Bildungsketten" und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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